Der Fries Lineare meter Publikum entwickelt sich seit Jahrzehnten in Zeit und Raum fort. Ich habe die Arbeit im Jahr 2000 angefangen. Zurzeit ist sie 34 Meter lang, bei einer konstanten Höhe von 1,40 Metern. Dargestellt sind sitzende Menschen, die den Betrachter beobachten – ein Konzept, das der Bielefelder Systemtheoretiker Niklas Luhmann als Beobachtung von Beobachtern in das Zentrum seiner Gesellschaftstheorie gestellt hat. Meine Anfänge waren bescheidener: In meiner Arbeit am Theater konnte ich das Publikum stundenlang beobachten und fand das Bild von dicht nebeneinander sitzenden Menschen, die mich als Beobachter beobachteten, aufschlussreich und anregend. Wie schaffen wir unsere Wirklichkeit durch solche Beobachtungen zweiter Ordnung? Angetrieben und inspiriert von in der Kunstgeschichte existierenden Frieskompositionen entwickeln sich die LMP als Panoptikum weiter. Der Parthenon-Fries und der wunderbare Beethovenfries von Gustav Klimt in Wien dienten mir als stützende Beispiele aus der Kunstgeschichte – von der Antike bis zur klassischen Moderne. 2014 sah ich die Videoinstallation von Bruce Naumann in NY, die schweigende, die Beobachter beobachtende Menschen darstellt. Die scheinbare Abwesenheit von jeglicher im Narrativ zu erfassenden Botschaft und das Reduzieren auf die reine Kraft der schwarzweißen Zeichnung scheint mir ausreichend für ein künstlerisches Statement zu sein, das die Reflexivität und die soziale Konstruktion der Wirklichkeit in den Mittelpunkt stellt. Die LMP sind als Lebenswerk konzipiert, jede Tafel ist 2 Meter lang, jährlich kommen eine oder zwei Tafeln dazu. Die meisten Teile davon befinden sich in privaten und öffentlichen Sammlungen auf der ganzen Welt.